Sonntag, 19. November 2017

Weihnachtskleid Sew Along - Teil 1 "Ideen"

Wie jedes Jahr ruft der Me Made Mittwoch-Blog zum gemeinsamen Nähen eines Weihnachtskleids auf. Diesmal mache ich wieder mit.
Es wird vier Termine geben, vom heutigen ersten Treffen, bei dem hauptsächlich Ideen gesammelt und vorgestellt werden sollen, bis zum Finale am 23. Dezember.

Ich habe mich bereits für ein Modell und für einen Stoff entschieden. Da der Stoff vorhanden war, habe ich ganz gezielt ein Modell gesucht, das ich damit realisieren kann, das "weihnachtsfesttauglich" ist und das auch darüber hinaus tragbar ist (wenn auch nicht im Alltag).

Der Stoff hat eine besondere Geschichte. Er war ein Geschenk einer meiner Leserinnen und wurde mir zugesandt als Dank für einen Eco Print-Schal, den ich bei einer "Quizfrage" als Gewinn ausgelobt und den die Leserin gewonnen hatte. Das war vor ziemlich  genau einem Jahr; hier ist der Post dazu. Und dies ist der Stoff:





Also, genau genommen sind es zwei Stoffe: ein Leichtflanell und ein Gitterstoff in genau der selben Farbe, beides aus Wolle. Eine hervorragende Qualität und eine sensationelle Farbe. Die beiden Stoffe haben natürlich nach einer Verarbeitung gerufen, bei der die Kombination besonders gut herauskommt. Ich hoffe, dass mir das mit diesem Kleid gelingen wird:



Es handelt sich um den Schnitt 125 aus burdastyle 08-2011. Es gibt ihn nur in Langgrößen, aber ich weiß schon, dass für mich so gut wie keine Änderungen nötig sind. Von den oberen Schnittteilen habe ich bereits ein Probemodell zusammengeschustert und anprobiert. Die nötigen Änderungen betreffen in erster Linie den Ausschnitt, der im Originalmodell sehr groß ausfällt. Da der voluminöse Schal den Ausschnitt gut füllt, mag das angehen, aber da mein Schal voraussichtlich weniger auftragen wird, muss auch der Ausschnitt kleiner werden.

Ich habe vor, das Schalteil aus dem Gitterstoff zu nähen und da ich dafür keinen schrägen Zuschnitt (wie beim Original vorgesehen) brauche, werde ich mit 50cm Stoff gut hinkommen und wahrscheinlich wird er auch ausreichen, um einen breiteren Streifen am Kleidersaum anzubringen. Das ist zumindest momentan mein Plan. Der Hauptstoff (1,50m) ist ebenfalls ausreichend, denn mein Kleid darf kürzer sein als die 75cm ab Taille, die der Schnitt vorsieht.

Ein ärmelloses Kleid also; an Weihnachten mit Feuer im Kaminofen und brennenden Baumkerzen sicherlich kein Problem, aber sonst? Ich fürchte, ich brauche dann noch eine gute Idee für eine passende Bedeckung der Arme, wenn ich das Kleid auch bei "normalen" Gelegenheiten tragen will.

Vielen Dank an die Organisatorinnen des MMM-Blogs für die Ausrichtung des Weihnachtskleid Sew Alongs. Ich denke, das ist einer der Highlights bei den Nähbloggerinnen. Ich bin gespannt, wie viele Mitnäherinnen es in diesem Jahr geben wird und welche Modelle genäht werden. Hier bekommen wir einen ersten Eindruck.

Samstag, 18. November 2017

Herbstjacken Knitalong - Teil 2

Ja, ich bin mit meiner Jacke ein gutes Stück weiter gekommen. Monika hatte im Oktober zum gemeinsamen Stricken einer Herbstjacke aufgerufen und bittet diese Woche die Mitmacherinnen zu einer Zwischenbilanz. Hier auf ihrem Blog kann man sich das ansehen.

Was stricke ich? Meine Jacke orientiert sich an dem Cardigan Agata. Vor zwei Wochen habe ich mein Modell vorgestellt und die selbst pflanzengefärbte Wolle, die ich verwende, gezeigt. Inzwischen ist der Rumpf fertig aber noch nicht gespannt.




Für diese erste Anprobe habe ich nur die Schultern zusammengeheftet. Die einrollenden Kanten trüben ein wenig den Eindruck, aber ich bin leidlich zufrieden. Der Rücken hätte ein wenig schmaler sein können und insgesamt würde mir eine Handbreit mehr Länge eigentlich besser gefallen. Aber zumindest die Größe der Armlöcher scheint zu stimmen.



Diese beiden Fotos möchte ich noch zeigen, weil hier, bei besserem Licht fotografiert, die Farben natürlicher wiedergegeben werden. Die Farbstreifen an den Seiten sind ja alle gleich breit und wenn ich mir jetzt den Rücken anschaue, denke ich, dort hätte ich sie besser ebenfalls gleich breit stricken sollen, um ein harmonischeren Gesamteindruck zu erzeugen. Na ja, hinterher ist man immer schlauer.

Für die vorderen Kanten und den Hals wird noch ein breiteres Band gestrickt und angenäht; wie hier auf dem Modellfoto:


Ich denke, ich werde dieses Band etwas schmaler stricken und auf die Knöpfe verzichten. Aber es sollen wieder alle Farben vertreten sein. Ich muss mich jedoch noch entscheiden, ob ich die Farbstreifen unregelmäßig wie in der Rückenmitte oder gleich breit wie an den Seiten stricke. Dazu würde ich gern eure Meinungen hören.

Den ersten Ärmel habe ich angefangen. Er bekommt ein breiteres zweifarbiges Bündchen im Perlmuster und dann geht es glatt rechts in einfarbig blau bis nach oben. Ich hoffe, dass es mir gelingen wird, gleichmäßig zuzunehmen, denn das mache ich, zugegebenermaßen, Pi mal Daumen.


Am Ende werde ich viele, viele Fäden zu vernähen haben - eine ungeliebte Arbeit bei jeder Strickerin.

Ich bin beeindruckt, wie weit meine Mitstrickerinnen bereits sind; man kann ja schon einige fertige Jacken bewundern. Ich werde es wahrscheinlich noch nicht einmal bis zum angepeilten Termin am 26. November schaffen. Aber ein zweiter Finaltermin wurde uns ja in Aussicht gestellt - vielleicht besser erst nach Weihnachten? Wir müssen ja schließlich alle unsere Weihnachtskleider nähen!


Mittwoch, 15. November 2017

Me Made Mittwoch: neue "Jacke" zum älteren Rock

Heute mache ich wieder mit, beim Me Made Mittwoch, wo Hobbynäherinnen ihre selbstgemachte Mode zeigen können. Bedingung ist wie immer: Foto des Kleidungsstücks an der Trägerin und keine Werbung.

Nachdem ich kürzlich ein schwarzes Oberteil ausgemustert habe, weil es unschön und fleckig war, musste ein neues Teil in einfarbig schwarz her. Das passt halt zu sehr vielen meiner Röcke, die ich in Herbst und Winter trage. Wenn man schnell und gelingsicher nähen will, ist der Griff nach einem erprobten Schnitt eine gute Idee. Noch besser, wenn das Material zuhause vorrätig ist.

(OK, ich gebe zu, man kann nichts erkennen - ist halt schwarz.)

Mein Schnitt: "Wardrobe Basic" aus der Ottobre 5/2013, Modell 13, eine Jacke, die aus dehnbarem Stoff genäht wird. Ich habe sie schon zweimal realisiert - Version 1 (hier auch techn. Zeichnung) und Version 2.
Mein Stoff: ein einfarbig schwarzer Sommersweat aus Baumwolle.
Nähzutaten: ein Stück Endlosreißverschluss

Der Reißverschluss ist auch das Besondere an dieser dritten Version der Jacke, denn er ist beim Original-Modell nicht vorgesehen. Er beginnt unten ca. 4cm von der Saumkante und verläuft bis an die Schulternähte. Natürlich könnte man hier auch einen teilbaren Zipper verwenden, aber ich hatte keinen ausreichend langen im Vorrat und die Idee war, möglichst nichts zu kaufen sondern Vorhandenes zu verwenden. Deshalb ist dieses Oberteil streng genommen auch keine Jacke.



Dem Endloszipper musste ich unten ein Endstück verpassen.

Beim zweiten Foto kann man erkennen kann, dass ich bei dieser Version des Schnitts die außenliegenden Taillenabnäher weggelassen habe. Soll ich sie noch reinnähen?

Der Rock: Der Stoff war einmal ein großer indischer Schal. Hier (Jan. 2012) habe ich beschrieben, wie ich den Rock daraus genäht habe; allerdings die erste Version mit Fransen. Da sich das letztlich nicht wirklich bewährt hat, habe ich noch einmal umgearbeitet und die Fransen entfernt. Eigentlich hat mir auch lange Zeit ein passendes Oberteil zum Rock gefehlt und schwarz schien mir zunächst nicht so passend, aber inzwischen mag ich die Kombination und hoffe, dass ich das so noch häufiger tragen werde.

Sonntag, 29. Oktober 2017

Stoffspielereien im Oktober 2017

Das Monatsthema lautet: Faden auf Farbe.

Als Ute vom Blog 123-Nadelei vor einiger Zeit das Thema bekannt gegeben hat, fiel mir sogleich ein Projekt ein, das ich schon ein paar Wochen halbgar im Hinterkopf mit mir herumgetragen hatte. Jetzt habe ich es fertig gekocht und umgesetzt.




Die Farbe, die ich für meine Arbeit auf Stoff gebracht habe, kommt von Rost. Wie man Rostfärbungen macht, habe ich im Frühjahr während eines Kurses bei Brunhilde Scheidmeir in Speyer gelernt. Hier habe ich über den Kurs berichtet. Zuhause habe ich dann weiter experimentiert und ein Stoffstück nach Shibori-Art mit Fäden zusammengeschnürt, um dann eine Rostfärbung durchzuführen. Die Details dazu werde ich wohl besser demnächst in einem Extrapost erklären. Jedenfalls sieht mein gerosteter Stoff zunächst so aus:



Nun wollte ich diesen Kreis besticken; dazu habe ich Reste meiner pflanzengefärbten Wolle herausgekramt und nach einem Garn in passender Farbe gesucht. Schließlich habe ich mich für Ton in Ton entschieden und hokkaidokürbisfarbenes Garn, gefärbt mit braunen Zwiebelschalen, verwendet.


Zwischen den rostfarbenen Linien habe ich Linien aus Garn mit einfachem Vorstich gestickt und, da der Kreis eine erkennbare Mitte hat, habe ich die ersten Linien dort begonnen und immer bis zum Rand gestichelt und manchmal auch ein etwas darüber hinaus. Es sollte ein wenig unregelmäßig aussehen, wie die Rostlinien auch.


Schließlich musste ich mich zwingen, irgendwann aufzuhören. Bereits beim Arbeiten daran fiel mir ein Name für die Stickerei ein: Magma.
Und wie der Zufall es will, hatte ich sogar einen passenden Rahmen da. Also habe ich das Stickbild rückseitig mit Vlieseline bebügelt, was verstärkt, geglättet und gleichzeitig die losen Fadenenden fixiert hat. Eine dickere Schicht Volumenvlies sorgt dafür, dass sich das Gewebe ein klein wenig aus dem Passepartout herauswölbt. Die Glasscheibe habe ich dann dahinter eingesetzt, damit ich zusammen mit der Rückseite wieder die für die Klammern nötige Dicke erreicht habe.


Hier hängt das Bild zunächst an einem provisorischen Platz; der endgültige muss noch gefunden werden. Aber im Nähzimmer wird es ganz sicher sein.

Auch diesmal haben mich die Stoffspielereien wieder motiviert, ein Projekt anzugehen, das sonst vielleicht noch viel länger hätte warten müssen. Danke für das Thema. Ute sammelt heute die Beiträge der anderen Stoffspielerinnen; sie sind hier zu finden.
Im November heißt das Thema "Dreidimensional"; darauf freue ich mich bereits. Inzwischen sind die Themen für weitere Monate festgelegt - bitte hier klicken für eine Übersicht. Ab sofort hat Gabi vom Blog madewithblümchen die Organisation der Stoffspielereien übernommen. Vielen Dank dafür.

Montag, 16. Oktober 2017

Herbstjacken Knit Along, Teil 1

Monikas Herbstjacken Knit Along (Ankündigung hier) kommt mir gerade recht, hatte ich doch gerade ein ebensolches Projekt begonnen. Genau genommen bin ich ja deshalb eine Spät- oder Quereinsteigern, denn Modell und Garn waren bei mir schon vorhanden und die ersten Reihen waren bereits gestrickt.



Was habe ich vor?
Ich stricke den Cardigan Agata von Leah Chapman, ein kostenloses Modell auf der Seite von knitty.com. Allerdings nicht genau so, wie er dort beschrieben ist, sondern mit meiner persönlichen Abwandlung. Das betrifft das Garn und einige Details.
Garn: Ich verwende kein Verlaufsgarn, sondern verschiedene Farben meiner eigenen Pflanzenfärbungen auf Sockenwolle. Inzwischen ist Indigo dazu gekommen! Über diese erste Indigo-Färbung werde ich demnächst noch gesondert bloggen. Ich habe für den Cardigan drei verschiedene Blautöne und je zwei Farbtöne von Catechu, Sandelholz und roten Zwiebelschalen zur Verfügung.



Details: Das rückwärtige Mittelteil des Cardigans stricke ich im Perlmuster statt kraus rechts und die Ärmel werde ich auch etwas anders gestalten. Aber soweit bin ich lange noch nicht. Da ich mir auch nicht sicher bin, ob ich Monikas Termin für die fertige Jacke werde einhalten können, bin ich ganz froh, dass ich durch meinen vorzeitigen Beginn einen  kleinen Vorsprung habe.

Ich habe mir Wolle und Strickzeug mit in den Urlaub genommen, aber soll ich mich beklagen, dass bisher das Wetter so genial gut ist, dass ich kaum zum Stricken komme? So weit bin ich jetzt:


Das mittlere Rückenteil ist fertig und ich habe begonnen, seitlich anzustricken. Das Aufnehmen der Maschen am Rand ist mir erstaunlich gut gelungen, obwohl ich das ewig nicht mehr gemacht habe. Abweichend von der Anleitung stricke ich am unteren Rand ein Bündchen im Perlmuster, um ein Einrollen der glatt rechts gestrickten Partie zu vermeiden. Den Tipp habe ich bei einem der Erfahrungsberichte auf ravelry gefunden.
Beim nächsten Treffen auf Monikas Blog werde ich dann hoffentlich zeigen können, wie die Seitenpartie und das Vorderteil farblich ausschauen werden. Ich bin selbst gespannt, denn insgesamt wird meine Jacke deutlich anders aussehen als die Vorlage.

Fehlt noch, diesen Post bei Monika zu verlinken, wo im Moment eigentlich erst die Vorstellung von Wolle und Anleitung dran ist, aber auch die Gastgeberin ist schon weiter, wie man sehen kann.




Sonntag, 24. September 2017

Stoffspielereien im September 2017

Herzlich Willkommen zu den Stoffspielereien, für die ich heute Gastgeberin sein darf. Das ausgegebene Thema ist:
Von der Natur inspiriert

Das Thema ist weit gefasst und ich kann mir vorstellen, dass da viele verschiedene Ideen textile Gestalt angenommen haben. Alle Beiträge der Mitmacherinnen werde ich hier verlinken; die "üblichen Verdächtigen" habe ich wahrscheinlich im Blick, darüber hinaus bitte in den Kommentaren melden, dann verlinke ich auch euch.

Die Liste der Mitspielerinnen befindet sich am Ende dieses Posts. Ich werde sie im Laufe des Tages  ergänzen; möglicherweise, wegen eines Ausflugs, erst am Spätnachmittag.

Ich habe mich von der Natur zu Eco Print inspirieren lassen, ein Färbeverfahren, das ich schon vor einigen Jahren für mich entdeckt hatte. Im Laufe der Zeit habe ich weiter experimentiert, verschiedene Materialien, Pflanzenteile und Beizen ausprobiert und schließlich im Frühjahr diesen Jahres auch einen Kurs besucht, über den ich im Blog berichtet hatte.



Nun sollte ich aber kurz erklären, was Eco Print eigentlich ist. Es handelt sich um eine Kontaktfärbung, bei der Pflanzenteile auf (meistens) gebeizte Naturfaserstoffe aufgelegt und dann straff eingewickelt werden. Die so gepressten und fixierten Bündel werden auf Wasserdampf gedämpft, was die Farben des Pflanzenmaterials auf den Stoff überträgt. Das Verfahren sorgt auch dafür, dass die Färbung dauerhaft auf dem Gewebe fixiert wird.
Diese Technik ist nicht neu, aber erst die australische Künstlerin India Flint hat das Verfahren Eco Print genannt und populär gemacht.

Bisher hatte ich Schals und verschiedene Stoffstücke aus Baumwolle, Wolle und Seide mit Pflanzen bedruckt. Für meinen Eco Print, den ich heute zeigen möchte, habe ich erstmals fertige, gekaufte T-Shirts verwendet. Aufhänger war ein weißes Shirt, bei dem ich nach dem Kauf und ohne Chance auf eine Reklamation ein kleines Loch im oberen Rückenteil entdeckt hatte. Dieses Shirt wollte ich für mein Experiment verwenden, in der Hoffnung, dass mein Print so ausfällt, dass das Loch (evtl. gestopft) nicht mehr auffällt.

Zunächst habe ich das Shirt mit Eisen-und Kupfersulfat gebeizt. Kleinste Mengen sind da ausreichend: jeweils 1% vom Stoffgewicht. Dann habe ich das Shirt an den Seiten- und Ärmelnähten auseinander geschnitten, damit ich es in einer Lage flach auslegen konnte.


Dann habe ich Vorder-und Rückenteil zunächst zur Hälfte mit Blättern belegt, einen Bogen Backpapier als Trennung darauf gelegt, wieder Blätter  ausgelegt und die zweite Hälfte des Shirts darauf geklappt. Das sah dann so aus:


Die offenen Ärmel liegen links und rechts oben sieht man das Plastikrohr, auf das das Shirt jetzt gewickelt worden ist. Fixiert und verschnürt habe ich das Bündel mit schmalen Stoffstreifen.


Die Ärmel liegen locker außerhalb der Rolle.
Dann habe ich das Bündel ca. 45 Minuten über Wasserdampf gedämpft. Ich lasse gern meine Eco Prints langsam, meist über Nacht, in einer Plastiktüte auskühlen, bevor ich sie dann auswickele. Das ist der spannende Moment. Was hat mir die Natur auf den Stoff gedruckt?



Wer erkennt die verwendeten Blätter? Am markantesten ist der Ahorn (die Sorte mit der roten Unterseite), das leicht Bläuliche sind Blutpflaumenblätter. Und hinten:


Die großen Abdrücke oben sind Bergenienblätter, oben rechts Rosenblätter und weiter unten Walnussblätter.
Dann habe ich in einem zweiten Färbedurchgang auf die gleiche Weise die Ärmel bedruckt, und zwar mit den Blättern vom Perückenstrauch, der sehr dankbares Material für den Eco Print liefert.
Was das erhoffte Verschwinden des kleinen Lochs angeht: Da es leider nicht mit einem Print überdeckt worden ist, habe es so gut wie ich konnte gestopft (und ich kann nur ganz schlecht stopfen).

 
(anklicken)

Na gut; angezogen wird es trotzdem:


Dieses Tragefoto, das ich erst vor ein paar Tagen gemacht habe, zeigt, dass sich die bläulichen Farbtöne in Richtung oliv gewandelt haben. Die Veränderung und letztlich auch das Verblassen ist ein Phänomen, das man bei Naturfarben auf der Rechnung haben muss.

Aber ich wollte es noch einmal wissen und habe ein zweites Shirt gefärbt:

vorn

hinten

Hier habe ich die Blätter nur einlagig in der Mitte verteilt und, weil mir das Ergebnis so wie es war  gut gefiel, die Ärmel naturweiß belassen.
Einige weitere Stoffstücke hatte ich noch im Dämpftopf, vornehmlich Seide. Die beiden folgenden Fotos zeigen das Blätter-Layout und das geprintete Ergebnis:



Von oben nach unten: Storchschnabel, Rose, Blutpflaume, Walnuss, Ahorn.
Solch ein "Durcheinander" kann schon mal den Blick auf die Wirkung der Details verstellen. Bei Sabine habe ich L-Shapes kennengelernt und mir aus Fotokarton eigene zugeschnitten:



Mit diesen Winkeln kann man sehr schön Ausschnitte hervorheben; sie sind verschiebbar, variabel und passen sich an.


Dieser Ausschnitt von Blutpflaumenblättern, gedruckt auf goldener (!) Dupionseide...


... hat im Kleinen seine Wirkung, auf dem großen Tuch ...


... muss man ihn suchen (unten links).

L-Shapes funktionieren wie Rahmen, Eco Prints in "richtigen" Rahmen habe ich auch; sie hängen in meinem Nähzimmer an der Wand:



Diese sind, obwohl sie schon ein paar Jahre dort hängen, kaum verblasst.

Danke für die Geduld!

Nun widmen wir uns den anderen Beiträgen der Stoffspielerinnen:

Tyche hat ein Yukata mit gestickten Federn und Muscheln verziert und die dazu passenden Gürtel zeigen ebenfalls Naturmotive.

Bei Martina gibt es auch Blätterdruck, aber ganz anders.

Bei Ines haben Ähren den Weg auf den Stoff gefunden.

Gaby beschreibt uns detailliert, wie sie versucht hat, ein Foto vom Meeresgrund auf Stoff zu bringen.

Auch bei Annelies gibt es Blätter: aus Nadelspitze.

Ute hat sich von der Tierwelt inspirieren lassen und zeigt uns eine Libelle.

Suschna hat einer Gartenrose in Pojagi-Technik unbegrenztes Blühen ermöglicht.

Karens Inspirationen sind in zwei Richtungen gegangen: gestickte Käfer und gestrickte Landschaft.

Ute lässt Häkelblüten wie auf Wasser schwimmen.

Die nächsten Stoffspielereien finden am 27. Oktober bei Ute - 123 Nadelei, statt. Das Thema ist: Fäden auf Farbe.

Sonntag, 10. September 2017

Einladung zu den Stoffspielereien im September

Nach der langen Sommerpause möchte ich heute noch hoffentlich rechtzeitig an die nächsten Stoffspielereien erinnern bzw. dazu einladen. Am letzten Sonntag im September, also am 24.9., treffen wir uns mit unseren textilen Arbeiten zum Thema

Von der Natur inspiriert

Ich hatte das Thema vorgeschlagen und darf erstmalig Gastgeberin sein. Ich freue mich auf hoffentlich zahlreiche und vielfältige Beiträge. Das Thema ist ja weit gefasst - viele Interpretationen und Umsetzungen in textile Arbeiten sind denkbar und möglich. Da gerade die Haupturlaubs- und Reisezeit zu Ende gegangen ist, haben wir vielleicht Anregungen von dort mitgebracht. Formen, Farben, Landschaften, Stimmungen - wir können unserer Fantasie freien Lauf lassen und Inspirationen aus der Natur mit Hilfe von Stoff und Faden Gestalt annehmen lassen.

Für alle, die zum ersten Mal von den Stoffspielereien hören, sei kurz erklärt, was damit gemeint ist:

Die monatliche Stoffspielerei ist eine Aktion für textile Experimente. Sie ist offen für alle, die mit Stoff und Fäden etwas Neues probieren möchten. Der Termin soll Ansporn sein, das monatlich vorgegebene Thema soll inspirieren. Jeden letzten Sonntag im Monat sammeln wir die Links mit den neuen Werken – auch misslungene Versuche sind gern gesehen, zwecks Erfahrungsaustausch. (Zitat)

Neue Teilnehmer sind sehr willkommen!
Die Stoffspielereien gibt es seit Februar 2012. Ich habe vor einiger Zeit eine Liste der bisherigen Aktivitäten zusammengestellt; man kann die Seite oben unter dem Header meines Blogs anklicken. Dort gibt es Links zum jeweiligen Gastgeber des Monats, wo wiederum alle Beiträge verlinkt sind. Auch die bisherigen Themen, die es seit Juni 2013 gibt, sind ersichtlich. 

Ein Bild als Illustration muss natürlich in diesen Post mit rein; ich habe ein Foto ausgewählt, das am Ort meines diesjährigen Sommerurlaubs aufgenommen worden ist - Natur pur:



Am 24. September werde ich die Beiträge zu den Stoffspielereien hier im Blog verlinken. Die "üblichen Verdächtigen" werde ich wahrscheinlich im Blick haben, aber sonst bitte ich um einen Hinweis bei den Kommentaren, damit ich den Beitrag finde. 

Viel Spaß!

Freitag, 8. September 2017

Herren-Sweater

Hemden nähe ich ja wirklich häufig für meinen Mann, Sweater eher seltener. Jetzt hatte ich einen schönen Trikot-Stoff  im Schrank liegen; die Qualität ist mit einem Sommersweat vergleichbar. Das war einmal ein Coupon von Karstadt, der das Etikett "Baumwolle mit 4% Elasthan hatte - aber, wer's glaubt ... Ich schätze, da ist eine gewisse Menge Synthetik drin. Aber gut, das garantiert eine solide Formstabilität und kaum Bügelbedarf. Die Farbe des Stoffs ist eine Mischung von anthrazit und dunkelblau, was sich in einem kleinen Fantasiemuster vermischt.

Der Grundschnitt für diesen Sweater ist burdastyle 10-2008-134, von dem ich wusste, dass er passt, da ich ihn bereits zweimal verwendet hatte. Für diesen Sweater wollte ich gern einen eingesetzten Schalkragen haben, wie beim Modell "Titus" aus La Maison Victor 6-2016.


Ich habe mir also das Schnittmuster für diesen Kragen kopiert und ihn auf meinen Grundschnitt angewendet, in dem ich den Halsausschnitt vorn so angelegt habe wie bei "Titus". Eines hat mich jedoch beim Original-Modell gestört: Der Kragen zieht sich, sieht aus, als ob ihm etwas Weite am äußeren Rand fehlt. Also habe ich den Kragen gespreizt: Ich habe ihn zweimal von außen bis fast an die innere Kante aufgeschnitten. Einmal in Höhe der Schulter und einmal ca. 8cm tiefer und habe dort jeweils 1cm Weite eingefügt, die zur inneren Kante hin ausläuft. Auch in der hinteren Mitte habe ich auf die gleiche Weise 1cm Weite hinzugefügt, was jedoch eine Naht in der hinteren Mitte des Kragens nötig gemacht hat, da der Bruch dann nicht mehr im Fadenlauf war. Falls ich den Sweater noch einmal nähen sollte, werde ich noch eine Veränderung vornehmen, damit wieder im Bruch zugeschnitten werden kann. Durch das Spreizen habe ich außen insgesamt 6cm Weite mehr, ohne dass sich die Ansatzkante des Kragens verändert hat.
So sieht mein veränderter Kragenschnitt aus:



Ich hatte Glück: Das Ergebnis ist genau so, wie ich es mir vorgestellt hatte. Der erweiterte Sweater-Kragen hat den Vorteil, dass auch ein Hemdkragen gut darunter Platz hat.
Saum- und Ärmelbündchen habe ich aus dem gleichen Stoff gearbeitet.
Und so sieht der fertige Sweater aus:


Beflügelt von diesem Erfolg, möchte ich gern noch ein weiteres Modell nähen, bei dem ich mir auch vorstellen kann, den Kragen ein paar Zentimeter tiefer einzusetzen.

Aber halt! Gerade fiel mir ein, dass ich bei Monikas Blog vorbeischauen sollte, wo immer mal genähte Herrenmodelle verlinkt worden sind. Die Verlinkungsmöglichkeit gibt es wohl nicht mehr, aber dabei ist mir ein Post von Monika aufgefallen, wo sie einen Sweater zeigt, der im Prinzip den gleichen Ausschnitt hat wie meiner hier, aber mit einer Kapuze dran. Das ist genau das, was ich als weitere Variante suche. Der Schnitt ist in der burdastyle vom Mai diesen Jahres erschienen (Link zum Modell bei Burda). Super! Ich werde wieder meinen Grundschnitt verwenden, den Ausschnitt vorn vom Burdamodell übernehmen und nur die Kapuze kopieren.
Demnächst also mehr aus der Reihe: Nähen für den Mann.


Mittwoch, 6. September 2017

Me Made Mittwoch: Die unerwartete Karriere eines Nachthemds

Der erste Termin des Me Made Mittwoch nach der langen Sommerpause hat ein Thema: Mein schönstes Ferienerlebnis.
Was mich ein wenig an die Aufgabenstellung eines Grundschulaufsatzes erinnert, nehme ich zum Anlass, von der unerwarteten Karriere eines Nachthemds zu berichten. Es geschah nämlich im Urlaub (Hier und hier gibt es zwei Berichte von textilen Funden aus meinem Urlaub.). Als ich nach einer anstrengenden Wanderung geduscht und erfrischt nach einem Kleidungsstück gesucht habe, das ich einfach mal schnell überwerfen kann, fiel meine Wahl auf ... ein Nachthemd. Kein Problem, denn es sieht so aus:



Geht doch als Kleid durch, oder?
Genau genommen ist der Schnitt ein Kleid: burdastyle 06-2011-107.  Ich wusste ja bereits, dass dieses Modell schnell die Seiten wechseln kann, denn ich habe den Schnitt bereits zweimal für ein Nachthemd verwendet, hier eins von beiden:

 

Das neue Hemd/Kleid ist aus einer gecrashten Baumwolle genäht. Wobei ... Baumwolle stand auf dem Etikett, aber ist es nicht so, dass diese Fältchen nur dann dauerhaft sind, wenn das Material eine gewisse Menge Synthetik enthält? Der Stoff fühlt sich jedoch genau wie reine Baumwolle an, auch das Tragegefühl entspricht dem. Komisch ist außerdem, dass sich die Crashs ausbügeln lassen und sie auch nicht nach der Wäsche zurückkommen. Man kann das an den Seitennähten und am Saum erkennen, wo ich stärker gebügelt habe:



Und da solch ein Stoff durch die Fältchen dehnbar ist, brauchte ich auch hier keine Brustabnäher. Ich habe sie rauskonstruiert. Außerdem möchte ich gar nicht wissen, wie sie bei diesem Stoff ausgesehen hätten, wahrscheinlich unmöglich.

Ich habe noch 2m von diesem Stoff in einem kräftigen Türkis im Schrank (zur gleichen Zeit gekauft - konnte nicht widerstehen).


Da ich nun die besonderen Eigenschaften des Stoffs kenne, muss ich mir die Verwendung und Verarbeitung gut überlegen - es sei denn, es wird wieder ein Nachthemd.

Die erste Parade der Nähwütigen von Nah und Fern ist hier versammelt. Danke, dass es auf dem MMM-Blog weitergehen kann.

Sonntag, 20. August 2017

Urlaubsfunde: Kunstwebereien in Südtirol

Während unseres Urlaubs in Südtirol sind mir einige Kunstwebereien aufgefallen. Zunächst habe ich mich über den Begriff gewundert. Warum Kunstweberei? Wenn man die Stoffe dieser Webereien betrachtet, findet man schnell den Grund. Es werden tatsächlich kunstvolle Stoffe gefertigt, in verschiedenen Farben und Webarten, mit Mustern, größtenteils traditionelle aus der Region, und Jacquards. Es handelt sich dabei vornehmlich um Deko- und Gardinenstoffe sowie Tischwäsche.



Ich habe die Kunstweberei Franz in Bruneck besucht, die, wie die meisten anderen Webereien der Region, seit mehreren Generationen in Familienbesitz ist. Es werden fast ausschließlich Naturfasern verwebt - Baumwolle, Leinen und Wolle. Hier ist in einem kurzen Video eine Jacquardmaschine der Firma Franz beim Weben zu sehen. Das Stoffangebot im Hauptgeschäft ist überwältigend und man könnte lange die wunderbaren Stoffe anschauen und befühlen. Eine kleine Beute habe ich mit gebracht. Es gab Tüten mit Stoffresten (meine sind aus feinem Leinen) für €10:


Inzwischen sind die Stoffe gewaschen und gebügelt und warten auf eine Verarbeitung. Da die Abschnitte nicht sehr groß sind, wird es wohl auf etwas in Richtung Patchwork hinauslaufen.

Ein Geschirrtuch aus reinem Leinen habe ich ebenfalls mitgenommen.


Ein hochwertiges Material, ein schönes Muster in gut gewählten Farben. Der Stoff hat einen leichten Glanz, der leider auf den Fotos nicht recht rüberkommt. Wenn es diesen Stoff als Meterware geben würde, hätte ich sicherlich etwas davon gekauft.



Wie schräg ist man, wenn man sich an einem Geschirrtuch so erfreuen kann?

Ich hatte auch das Glück eine Weberei für Bekleidungsstoffe aufzuspüren: Moessmer. Am Stammhaus in Bruneck gibt es einen Verkauf für Kunden, auch in Bozen und Cortina d'Ampezzo, aber einen Internet-Shop gibt es nicht. Es wird wohl hauptsächlich an Weiterverkäufer geliefert.
Auch hier sind die Stoffe ausschließlich aus Naturfasern. Die Regale sind gefüllt mit feinsten italienischen Wollstoffen. Einen Stoffcoupon habe ich mir mitgebracht:


Ein Wollstoff im Stile von Chanel - farblich vielfach einsetzbar; im naturfarbenen Grund kommen nahezu alle Farben vor.


Die Menge sollte gerade so für ein kürzeres Chaneljäckchen ausreichen.

Aber das Schönste ist: Ich werde im Herbst noch einmal in diese Gegend reisen (weil es uns dort einfach so gut gefallen hat) und dann werde ich die Gelegenheit nutzen, um bei Moessmer nach einem Stoff für einen Wintermantel Ausschau zu halten.

Der erste Teil meiner Urlaubsfunde befindet sich hier.